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Europeana est née

DRAFT: 2007-03-23 / 8:41 AM

Seit dem 22. März 2007 gibt es sie: die französischsprachige Online-Bibliothek Europeana.fr /.eu .

Als Überschrift für diese Ankündigung hätte man auch sagen können: "lies oder stirb": denn jetzt hängt es von der Nutzung dieses Angebotes ab, ob dieser Zugang zu den Werken der Tschechischen, Ungarischen, Portugiesischen und Französischen Literatur so und ausreichend genutzt wird, dass sich zu dieser On-Line-Bibliothek auch die Länder aus anderen grossen Sprachräumen hinzugesellen werden - oder nicht.

Bislang sind in der deutschen Sprache ganze 229 Einträge gelistet

Zur Eröffnung der CeBIT 2007 in Hannover hatte die Bundeskanzlerin ausdrücklich auf besondere "Leuchtturmprojekte" verwiesen, "die eine breite Strahlkraft in die IKT-Branche hinein entfalten sollen". [1].

Als Nummer Eins hatte sie dabei das Internet-Recherche-Projekt "THESEUS" im Blick, als Zweites "die von Bund und Ländern gemeinsam geplante ’Deutsche Digitale Bibliothek’"

Wer sich aber auf die Suche nach www.theseus.de macht, findet dort die Internetseite der Firma TESLA, die uns mit folgendem Text und Bild begrüsst:

Willkommen bei THESEUS
Da Theseus (wie Sie bald selbst sehen werden) ein sehr vielseitiges Produkt ist, geben wir Ihnen hier eine Übersicht über die Funktionen, die Theseus besitzt. Wählen Sie einfach oben das Thema, das Sie interessiert.

Bei aller Liebe zur Antike: die hier ausgewählte Darstellung erinnert eher an die "Partnerschaft" im ehemaligen deutsch-französischen Forschungsprojekt QUAERO. [2]

Es ist viel über die Abgrenzung zu den Konkurrenten Microsoft auf der einen und vor allem Google auf der anderen Seite gesagt worden - zuletzt im 8 Uhr-Morgen-Interview auf RFI vom 23. März 2007 - und immer wieder [3] ist dabei zu hören, dass die eigentliche Qualität der deutschen Suchmaschienen-Arbeit die differenzierte semantische Suche sei, bei der man kontextsensitiv zwischen einem "Golf [-Auto]", dem "Golf [-Sport]" und dem "Golf [von ...]" wird unterscheiden können.

Ob das aber wirklich ein europäisches Allein- bzw. Heraus-stellungsmerkmal ist? Zumindest findet sich bei einem der Google-Väter Larry Page [4] der an prominenter Stelle [5]zitierte Satz:
”The perfect search engine, would understand exactly what you mean and give back exactly what you want.”

[1] Der Online-Zugang zu dieser Rede ist bereits wenige Tage nach ihrer Publikation über die entsprechende Seite auf: www.bundeskanzlerin.de nicht mehr möglich, so dass hier aus der schriftlich ausgehändigten Pressemitteilung 97/07 vom 14. März 2007 zitiert wird.

[2] Siehe die "Schöne Bescherung" in der Online-Ausgabe von Spiegel.de vom 19. Dezember 2006.
Fakt ist: Die technologische Zusammenarbeit ist erstmal auf Komitee-Niveau heruntergekocht. In Frankreich spekuliert man über Differenzen zwischen den Giganten in der Gruppe der beteiligten Unternehmen. In Deutschland sollten die Teilprojekte von der Bertelsmann-Tocher empolis, in Frankreich vom Elektronikkonzern Thomson koordiniert werden. Die beiden hätten sich nicht verstanden, schrieb "Le Monde" schon Ende November.

[3] So auch am Rande der Bertelsmann_Bilanz-PK vom 21. März 2007

[4] Nomen est omen? - sic!

[5] Nachzulesen in der Google Corporate Information als Einleitung zu Our Philosophy unter der Überschrift : Never settle for the best